INSPIRATION: Eine immer wieder gestellte Frage: Sollte ich im Job Persönliches von mir erzählen? Vor allem für Führungskräfte ist das offenbar ein Thema, denn damit verbunden ist in der Regel die Sorge, sich angreifbar zu machen.
Die Antwort der Fachleute ist klar: Sie sollten! Was aber viele nicht glauben. In einem Experiment ließ man 100 Manager ankreuzen, was sie bei der Vorstellung neuen Mitarbeitenden gegenüber erzählen würden. Als Antworten waren eine berufsbezogenen Stärke, eine neutrale Tatsache über sich selbst und eine Schwäche vorgegeben. Fast alle wählten eine Stärke, zwei Drittel die neutralen Fakten und nur ein Drittel die Schwäche.
Dann ließ man potentielle Mitarbeitende zwei Varianten einschätzen: In der einen erzählte der Manager über seine Erfolge, in der anderen gab er weniger Ruhmreiches zu (Bevor er seine aktuelle Position bekam, hatte er sich 36 mal erfolglos beworben.). Und siehe da: Die Probanden hielten zweiteren keineswegs für weniger kompetent, sondern sie vertrauten ihm mehr und entschieden sich eher, für ihn zu arbeiten (Was Sie im Büro erzählen sollten).
Was Vertrauen ausmacht
Apropos Vertrauen. Selbiges hängt von zwei Überzeugungen ab: Menschen vertrauen Ihnen, wenn sie Ihnen gute Absichten unterstellen und wenn sie Sie für kompetent halten – also in der Lage sind, Ihre Absichten auch in die Tat umzusetzen. Wie werden beide Überzeugungen nun von der Preisgabe persönlicher Schwächen beeinflusst?
Die Sache mit den guten Absichten ist einfach. Haben Sie diese nicht und geben das zu, ist das keine gute Idee. Wer also zugibt, dass er Kollegen diffamiert hat, um an seine Stelle zu gelangen, wird damit kaum punkten, sondern sollte sich grundsätzliche Gedanken machen. Und als Konsequenz dann lieber seinen Rücktritt anbieten.
Obmission Bias
Also geht es um Kompetenz. Und hier denken viele Menschen, dass es ihnen schadet, über eigene Schwächen zu sprechen. Ist ja auch nachvollziehbar: Wer zugibt, dass er sich manchmal mit Entscheidungen arg schwer tut, kann kaum erwarten, dass man ihn für entscheidungsstark hält.
ABER: Wir Menschen neigen dazu, intensiv über die Folgen nachzudenken, wenn wir etwas Bestimmtes tun, aber weniger über diejenigen, die eintreten, wenn wir etwas nicht tun (Obmission Bias). Also vermeiden wir Dinge und übersehen, dass auch das negative Konsequenzen hat.
Die Kosten des Verschweigens
Hier liegt auch schon der Schlüssel zur Frage, ob wir etwas Kritisches über uns selbst mitteilen: Überlegen, welche Kosten das Verschweigen hat. Zum Beispiel andauernden Stress, weniger Rückmeldungen durch Mitarbeitende, das Risiko, distanziert zu wirken. Und welche Vorteile hätte das Reden? Ein wichtiger Nutzen liegt darin, dass Offenheit abfärbt. ”Wer den Anfang macht, normalisiert Offenheit und schafft gegenseitiges Vertrauen.” Soll heißen: Auch andere agieren dann mit größerer Ehrlichkeit, eine gute Grundlage für gegenseitiges und wertschätzendes Feedback.
Also ruhig die eigenen Gefühle und Schwächen teilen? Natürlich auch nicht immer und zu jeder Gelegenheit, es kommt durchaus auf den Kontext an. Und die Art und Weise, wie man die Botschaft an den Mann bringt.
Tipps der Expertin: Wenn Sie sich entscheiden, offen zu sein und eine Schwäche anzusprechen (”Ich bin im Moment auch etwas überfordert und weiß nicht, wie es weitergeht!”), dann erwähnen Sie auch, was Sie dagegen tun werden (”Ich werde bei X und Y Informationen einholen und dann schauen, was zu tun ist!”). Damit zeigen Sie, dass Sie auch nur ein Mensch sind, aber dass Sie aktiv bleiben und konkrete Schritte unternehmen.
Bewunderung zugeben
Und fragen Sie andere um ihre Meinung. Wenn Sie also zugeben, dass Sie manchmal schlecht schlafen angesichts der aktuellen Situation, können Sie ruhig Ihre Kollegen fragen, wie diese mit der Situation umgehen.
Noch ein interessanter Hinweis: Es ist durchaus keine Schwäche, über andere Positives mitzuteilen. So mancher vermeidet das aus Sorge, sich selbst zu klein zu machen und dadurch Respekt zu verlieren. Wenn Sie also erklären, dass Sie Frau Z für ihre positive Ausstrahlung und ihre Zuversicht bewundern, führt das sogar dazu, dass Ihre Zuhörer diese Eigenschaften mit Ihnen verbinden. Und es zeigt einmal mehr, dass Sie sich keineswegs für den Größten halten. Was wiederum die Beziehung stärkt und Vertrauen schafft.
Und übrigens: All das gilt natürlich nicht nur für Führungskräfte. Wobei vermutlich Mitarbeitende noch größere Sorgen haben, wenn sie gegenüber ihren Chefs von eigenen Schwächen sprechen …

