19. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Smiley auf Osterei

Quadratisch, praktisch, obskur

KRITIK: Endlich einmal Forschung zu einem populären und praktischen Thema! Zu Schulz von Thuns Kommunikationsquadrat. Wie viele Jahre mussten wir darauf warten? Und was lernen wir nun Neues und Interessantes?

Das Kommunikationsquadrat ist ein Klassiker in der (betrieblichen) Aus- und Weiterbildung. Man erinnere sich: Jede Nachricht hat vier Aspekte: Sach-, Beziehungs-, Appell- und Selbstoffenbarungsebene (Vier Seiten einer Nachricht als Brettspiel). Und weil das nach Schulz von Thun so ist, kann eine Botschaft auch von vier verschiedenen Ohren gehört werden. Womit das Drama der Kommunikation beginnt, wenn verschiedene Schnäbel und Ohren aufeinandertreffen: „Es ist grün,“ sagt er (Beifahrer) zu ihr (Fahrerin) an der Ampel … Kommunikative Missverständnisse, Streit – all das lässt sich so wunderbar erklären.


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Kennen wir, haben wir schon tausend Mal gehört, trainiert … Bestseller eben. Weniger bekannt ist, dass Schulz von Thun bei Watzlawick & Co. „geklaut“ hat. Und dass Forscher wie Jürgen Kriz (Ganzheitliche Psychologie) oder Wolfgang Tschacher (Embodiment: Ganz von dieser Welt) das Kommunikationsgeschehen dann noch mal deutlich differenzierter unter die Lupe genommen haben. Aber wir wissen natürlich auch: Das „Volk“ liebt eher die quadratisch-praktischen Lösungen als die differenzierten.

Das Kommunikationsquadrat

Aber eine Frage war all die Jahre offen geblieben: Ist das Kommunikationsquadrat bloß Beraterlatein? Oder kann man empirisch die den Empfang einer Nachricht beeinflussenden Faktoren nachweisen, quantifizieren und qualifizieren? Hier setzt die Studie der Autorengruppe (Kommunikationsquadrat: Eine empirische Analyse …) an. Ihnen haben es insbesondere die nonverbalen Nachrichtenanteile angetan: „Gesichtsausdrücke“ (…) „übermitteln insbesondere den emotionalen Zustand einer Person.“ Auweia! Wer meine Posts der vergangenen Monate verfolgt hat, wird nachvollziehen können, dass sich mir unmittelbar die Nackenhaare sträuben. Doch gemach! Lassen wir die Herrschaften zunächst ihre Überlegungen und Forschung darstellen. Dann kommt die Kritik.

„Kommunizieren Menschen miteinander, schwingen laut diesem Modell stets Botschaften auf einer Sachseite, einer Beziehungsseite, einer Selbstkundgabeseite sowie einer Appellseite mit.“ Quatsch! Mein guter Vorsatz ist schon perdu! Auf irgendwelchen Ebenen schwingt gar nichts. Botschaften schon gar nicht, weil es die „an und für sich“ gar nicht gibt. OK, ich beiße mir trotzdem erstmal auf die Zunge!

Kontext, Tonfall, Formulierung sowie Mimik und Gestik sind die Aspekte, die auf die Interpretation einer Nachricht Einfluss nehmen, so Schulz von Thun. Und es ist klar: Die Widersprüche, die hier wahrgenommen werden können, sind das Salz in der Suppe: „Es ist grün …“. „Eine umfangreiche Literaturrecherche Anfang 2024 konnte keine dahingehende empirische Studie identifizieren, wie sich die verschiedenen Ausprägungen des Tonfalls, des Kontexts, der Art der Formulierung sowie der Mimik und Gestik auf den Empfang einer Nachricht auswirken,“ so die Autoren.

Basisemotionen

Was liegt also näher, als sich hier einen vielversprechenden Aspekt herauszupicken: die Mimik. Dazu hat der emotionspsychologische Altmeister Paul Ekman doch schon vor Jahrzehnten Vielbeachtetes veröffentlicht (Ausdruckspsychologie). Die Forscher konzentrieren sich auf die Gesichtsausdrücke Trauer, Wut und Angst. Ihr Ansatz: Eine quantitative Online-Fragebogenstudie zum Einfluss der Gesichtsausdrücke Trauer, Angst und Wut „auf den Empfang einer Nachricht auf der Sach-, Beziehungs-, Selbstkundgabe- und Appellseite des Kommunikationsquadrats“.

Wie das so üblich ist, leiten die Forscher zunächst ihre Hypothesen her. Dazu wird beispielsweise (mit Schulz von Thun) behauptet, die Sachseite der Kommunikation sei emotionslos. Sie sei auch bei rein nicht-sprachlichen Nachrichten im Regelfall leer. Negative Gefühlsäußerungen würden häufig als Zuweisung der Täterschaft interpretiert und damit der Beziehungsseite zugeordnet. Oder allgemeiner: „Di…

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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