13. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Vier Strategien gegen die Ablenkung

INSPIRATION: Es ist faszinierend und frustrierend. Wenn ich mich ans Klavier setze und versuche, ein Stück vom Blatt zu spielen, schweifen meine Gedanken nach wenigen Sekunden ab. Die Finger setzen ihren Weg fort, aber meine Aufmerksamkeit ist ganz woanders. Beim ersten Fehler fällt mir das auf. Ich setze neu an, nach kurzer Zeit das gleiche Phänomen.

Nun lerne ich, dass die mittlere Aufmerksamkeitsspanne von Erwachsenen bei ca. 70 Sekunden liegt, bei Menschen meines Altes eher bei 60. Ich liege offenbar deutlich darunter. Nicht weiter verwunderlich, sagt Henning Beck (Die Kunst der Konzentration). Das liegt nämlich gar nicht unbedingt an der Vielzahl der Ablenkungen, die uns ständig begegnen, sondern an unserem Hirn. Ca. alle 60 Sekunden gönnt es sich eine Pause und schaltet in den Grundmodus: Die Suche nach Neuem.


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Digitales Schlaraffenland

Und da wird es heutzutage natürlich schnell fündig: Das Neue ist nur wenige Klicks entfernt, es drängt sich auf, nutzt diese kleine Pausen und schwups, sind wir ganz woanders. Das Hirn ist praktisch im digitalen Schlaraffenland.

Nur kehren wir dann, anders als früher (oder anders als ich mit meinem Klavierstück), nicht direkt wieder zu unserer eigentlichen Aufgabe zurück, sondern finden sofort den nächste neuen Reiz, und dann noch einen. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Interruptions-Tasking.

Was wohl auch Folgen fürs Hirn selbst hat: In dem Bereich, der dafür zuständig ist, dass wir Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden (Salienz-Netzwerk), sinkt die Dichte der Nervenzellen. Unsere Konzentration lässt weiter nach. Der Grund, warum ich schon so schnell abschweife beim Üben?

Wohl dem, der weiß, wie man gegensteuert. Unser Neurowissenschaftler zum Beispiel. Und dieser hat vier Tipps auf Lager:

Ablenkungen aktiv planen

Wenn wir doch wissen, dass unser Hirn Pausen braucht, dann sollten wir sie ihm geben. Der Turnus bei besonders erfolgreichen Menschen beträgt 80 zu 20. Soll heißen: 80 Minuten konzentriert arbeiten, 20 Minuten Pause. ABER: Pause heißt nicht, zum Handy zu greifen und zu daddeln. Dabei müssen wir ja wieder die Aufmerksamkeit auf etwas richten. Also: Spazieren gehen, Dehnübungen, den Blick schweifen lassen.

Den Ort wechseln

Wer die Pause in dem gleichen Raum einlegt, in dem er arbeitet, der darf sich nicht wundern, wenn das mit der Erholung nicht klappt. Überhaupt: ”Örtliche Diversifizierung” ist eine gute Idee. In Raum A wird gearbeitet, in Raum B telefoniert, in Raum C Kreativität entfaltet.

Ziele setzen

Wer vor sich hinwerkelt, ohne eine klare Vorstellung, wohin ihn das führen soll, der wird viel schneller abgelenkt. Wenn wir aber einen Plan haben (”Das Dokument ist fertig, korrigiert und abgelegt, und zwar innerhalb der nächsten Stunde!”), der steigert damit die Chance, in den Flow zu geraten – Ablenkung unwahrscheinlich. Aber Achtung: Die Aufgabe sollte uns weder unter- noch überfordern. In beiden Fällen klappt das mit dem Flow nicht.

Internet kappen

Ach ja, netter Tipp. Wenn es doch so einfach wäre. Dann müsste ich ja das Smartphone in den Flugmodus versetzen und das WLAN im Rechner abschalten. Ernsthaft jetzt? Ernsthaft. Wenigstens zeitweise. Könnte sein, dass Entzugserscheinungen auftreten.

Aber solche ”Smart-Diäten” haben einen nachgewiesenen Effekt: Wer sich längere Zeit in Enthaltsamkeit übt, der verjüngt sich, kognitiv gesehen, um bis zu 10 Jahre. (Während ich diesen Satz schreibe, erklingt ein Geräusch und eine Nachricht poppt auf. Mein Finger zuckt – ich kriege mich gerade noch gebremst und beende diesen Satz. Verdammt …)

Mit diesen Tipps ist das so eine Sache. Ich könnte an so vielen Stellen neues Verhalten trainieren. Oder altes Verhalten abtrainieren. Womit soll ich aber anfangen? Will ja auch kein ”Selbstoptimierer” werden.

Tröstlich für mich: Diesen Beitrag habe ich in einem Rutsch durchgeschrieben. Offenbar funktioniert das durchaus mit der passenden Motivation. Stellt sich nur die Frage, wie man das bei anderen Themen hinkriegt.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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