2. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Unsichtbare Fesseln

INSPIRATION: Die Diskussion verfolge ich nun schon ziemlich lange, weil sie immer wieder auf das Gleiche hinausläuft: Ist der Mensch für selbstverantwortliches Arbeiten geschaffen oder braucht er klare Ansagen? So viel steht fest: Er benötigt Klarheit. Und das auf verschiedenen Ebenen.

Hierarchien haben ihre Schattenseiten, darüber sind sich alle einig. Dagegen kann man was tun. Die richtigen Führungskräfte auswählen, sie richtig schulen und entwickeln und sie durch Vorgaben, Zielvereinbarungen und Anreizsysteme so steuern, dass sie zum Wohle des Unternehmens ihre Mitarbeiter im Griff haben. Zumindest glauben das immer noch ganz viele, entsprechend wird geschult, trainiert gecoacht, Ziele vereinbart und Leitlinien verfasst.


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Schafft man sie ab und setzt auf Selbstorganisation, versprechen manche Vertreter der neuen Arbeit den „Himmel auf Erden“ (Vorsicht, Freiheit!). Aber ach, auch die Welt der Selbstorganisation hat ihre Schattenseiten. Der Beitrag in der managerSeminare beschreibt sie ziemlich anschaulich und nachvollziehbar, einiges davon kann ich bestätigen.

Die Schattenseiten der Selbstorganisation

  • Die Anfangseuphorie lässt schnell nach, die steigende Motivation wird durch Reibereien und Kämpfe um Einflussnahme gebremst.
  • Die High Performer üben Druck auf die weniger Leistungsfähigen aus, die sich ausgegrenzt fühlen.
  • Es droht die Gefahr der freiwilligen Selbstausbeutung. Weil es keine offiziellen Regeln gibt oder Chefs, die klare Grenzen setzen, entstehen implizite Regeln, die zu „unsichtbaren Fesseln“ werden. Nachvollziehbar, oder? Es bilden sich ungeschriebene Gesetze heraus wie z.B. „Man darf nicht vorzeitig Feierabend machen, weil man damit das Team im Stich lässt.“ Oder: „Persönliche Bedürfnisse sind den Team-Anforderungen unterzuordnen.“ Wohin wendet man sich, wenn man mit solchen Problemen nicht zum Chef gehen kann? (Nebenbei bemerkt: Wohin wendet man sich, wenn der Chef solche Regeln aufstellt?)

Diese Gefahren sind vor allem dann größer, wenn den selbstorganisierten Teams von oben Ziele aufgedrückt werden und hierauf keinen Einfluss haben.

Methoden helfen nur bedingt. Wenn sich die Teams regelmäßig vor dem Infoboard treffen, um die nächsten Schritte zu besprechen, kann das dazu führen, dass sich jeder gezwungen fühlt, Fortschritte und Erfolge zu vermelden, das „Daily Scrum“ verkommt zur „sinnlosen Leistungsschau“ (was in klassischen Hierachien natürlich selten vorkommt …).

Statt Hierarchie: Regeln

Statt auf die Führung durch Führungskräfte zu setzen, bei der klar ist, wer entscheidet, könnte man klare Regeln einführen. Aber das menschliche Miteinander lässt sich nicht komplett durch Regeln steuern und lenken. Guter Punkt: Auch wenn immer wieder gesagt wird, dass sich Menschen im Privatleben ja auch um ihre eigenen Sachen kümmern und selbstständig handeln können – erfolgreich sind sie deswegen ja noch längst nicht, auch hier scheitern viele oder sind nur mäßig zufrieden.

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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